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Geschichte des Surfens

Surfen ist ein jahrhundertealter Sport. Durch Wandmalereien, die auf das 12. Jahrhundert datiert sind, kann sicher gesagt werden, dass das Wellenreiten eine rund tausendjährige Geschichte hat. Verbreitet war dieser Sport im so genannten polynesischen Dreieck, dass sich von Hawaii im Norden bis Neuseeland im Süden erstreckt und damit eine Ausdehnung von mehr als 50 000 000 m² hat. Wo genau der Ursprungsort des Wellenreitens ist lässt sich heut nicht mehr nachvollziehen, da die Polynesier - ein Seefahrervolk - weite Strecken mit ihren Kanus überwinden konnten und das Surfen so in die entlegensten Winkel des Inselreichs getragen wurde.

Die Entdeckung des Surfens

Durch Captain James Cook wurde das Surfen 1778 auf Hawaii entdeckt. Surfen ist hier im 18. Jahrhundert mehr als ein fester Bestandteil hawaiianischer Kultur. Auch wenn jeder surft - Männer, Frauen und Kinder; Könige ebenso wie einfache Untertanen - gibt es ein strenges System aus so genannten Kapus, das regelt, wer an welchem Strand surfen darf, welche Bäume für den Bau der tradionellen Alaias genutzt werden dürfen und welche Zeremonien durchgeführt werden müssen, bevor ein Board das erste Mal zu Wasser gelassen werden darf.

Die Kolonialisierung des Königreichs Hawaii beginnt bald darauf unter starker Mitwirkung christlicher Missionare. Die lebensfrohe und unbekümmerte Lebenseinstellung der Hawaiianer war den westlichen Missionaren fremd und in ihren Augen ein blasphemischer Affront gegen die Einhaltung der guten Sitten. Die Missionare zwangen die Hawaiianer fortan Kleidung zu tragen, führten europäische Tagesabläufe ein und nötigten die Kinder zum Schulbesuch und die Erwachsenen zum Kirchgang. Im Ergebnis verliert das Wellenreiten zwar seinen übergeordneten Einfluss auf die Tagesgestaltung der Hawaiianer, es verschwindet jedoch niemals ganz.

Die Verbreitung des Surfens

Jack London und Mark Twain, zwei der bedeutendsten Reiseschriftsteller, beobachten und beschreiben das Wellenreiten in Aufsätzen und Büchern - beide Autoren versuchen sich gar selbst am Wellenreiten, allerdings mit zweifelhaftem Erfolg. Nichtsdestotrotz haben ihre Berichte über das Surfen und die hawaiianische Lebensart den Effekt, dass Reisende auf das Wellenreiten als Strandvergnügen aufmerksam werden. Die frühen Touristen nehmen des Angebot der hawaiianischen Beachboys gerne an und lassen sich in die Kunst des Surfens einweisen, um sich die Zeit zu vertreiben. Aus den Beachboys werden bald darauf die ersten Rettungsschwimmer der Welt. Die jungen Hawaiianer, deren Zuhause das Meer ist, wachen an den Stränden darüber, dass den Touristen und den amerikanischen Soldaten, die während des zweiten Weltkriegs auf Hawaii stationiert sind, nichts passiert.

Der Aufschwung des Surfens

Einer von ihnen, Duke Kahanamoku, gilt heute als der Vater des modernen Surfens. 1912 gewinnt er bei den Olympischen Spielen in Stockholm die Goldmedaille über 100m- Freistilschwimmen. Danach reist er um die ganze Welt und führt überall, wo es möglich ist, seine Surfkünste vor. Durch Dukes Reisen erreicht das Surfen auch Australien, wo sich neben Hawaii und Kalifornien eine weitere Surfszene bildet. Das Surfen ist wiedergeboren und soll unaufhaltsam immer größere weltweite Bedeutung erlangen.

In dieser Zeit werden übrigens auch die ersten beiden Surfclubs der Welt gegründet: der Outrigger Canoe & Surfboard Club, der ausschließlich Haole (Weiße) aufnimmt und der Hui Nalu, der Club of the Waves, der von Duke Kahanamoku und Freunden für die Hawaiianer gegründet wird.

In den 20er Jahren beginnen die ersten Surfer, an ihren Boards aus Redwood-Holz herumzuexperimentieren. Dem Shaper Tom Blake gelingt es, das bis dahin übliche Gewicht der Bretter von 75 kg auf nur noch 30 kg zu reduzieren. Mit seinen „Hohlbrettern“ sind erste Manöver in den Wellen möglich geworden. In Hawaii werden diese Hohlbretter schnell zum festen Bestandteil der Ausrüstung der Lifeguards. Mitte der dreißiger Jahre kommen die ersten Bretter aus Balsaholz an die kalifornischen Strände. Diese Bretter wiegen nur noch halb so viel (ca. 15 bis 20 kg) wie die schweren Redwoodbretter und die Nachfrage nach diesen leichten Brettern ist enorm, obwohl sie noch nicht sehr belastbar und schnell ramponiert sind.

Während des Zweiten Weltkrieges entwickeln die Amerikaner verschiedene Klebestoffe für militärische Zwecke. Als diese neuartigen Klebstoffe nach dem Krieg für Privatpersonen freigegeben werden, beginnt eine neue Ära des Surfbrettbaus und damit des gesamten Surfsports. Joe Quigg baut ein Balsabrett mit runder Nose und einlaminierter Finne, das mit Fiberglas überzogen ist. Er hatte es ursprünglich für seine Freundin gedacht. Dann aber merkt er, dass er mit diesem Brett noch nie gelungene, unglaubliche Manöver fahren kann. Nun, seine Freundin sah wenig von dem Brett, aber Joe hatte mit seinem neuartigen Fiberglasbrett die Surfszene aufgerüttelt. Anfang der 50er Jahre erfindet Jack O´Neil den ersten Neoprenanzug, der die Surfer vor dem kalten kalifornischen Wasser schützt.

In den 60er Jahren werden die amerikanischen Strände von jungen Leuten, die auf der Suche nach Freiheit und Vergnügen sind, förmlich überrannt. Es entsteht ein unglaublicher Surfboom. Durch den Neoprenanzug und die immer kleiner werdenden Bretter, mit denen immer radikalere Manöver möglich sind, wird das Surfen zum Massensport. Hollywood trägt mit Filmen wie „Gidget“ sein Übriges dazu bei und Bands wie die „Beach Boys“ vermitteln in ausverkauften Hallen den Massen das Lebensgefühl des Surfens.

Die 70er Jahre führen zu einer Spaltung der Surfwelt. Die „Soul-Surfer“ wollen mit der Natur in Einklang leben und Wellen harmonisch surfen, wohingegen die „Hot-Dogger“ sich dem von der Surfindustrie kreierten Style anpassen. Die Bretter werden noch kleiner und 1980 entwickelt der Australier Simon Anderson die heute übliche 3-Finnen-Anordnung bei Shortboards (Thruster). Dies ist der letzte Schritt auf dem Weg zum uns heute bekannten Shortboard.

Das Surfen wird in den 90er Jahren noch beliebter und die Industrie erlebt einen riesigen Boom. Wenn man von den 90er Jahren spricht, kann man Kelly Slater nicht unerwähnt lassen. Noch nie zuvor hat ein Surfer die WCT (World Championship Tour) so dominiert wie er. 1992 gewinnt er mit nur 19 Jahren seinen ersten Weltmeistertitel. Bis 1998 folgen fünf weitere. Danach zieht er sich zunächst aus der WCT zurück. 2003 allerdings erfolgt sein Comeback. In den Jahren 2005 und 2006 kann er sich seine Titel Nummer 7 und 8 gegen den Weltmeister von 2004, den mittlerweile verstorbenen Andy Irons, sichern. 2011 wird er erneut Weltmeister und schnappt sich den Titel damit zum insgesamt elften Mal.

 

Weiterführende Literatur
Sachbuch
Matt Warshaw: The History of Surfing
Drew Kampion: Stoked! A History of Surf Culture
 
Belletristik
Daniel Duane: Surf - Bretter, die die Welt bedeuten
Allan C. Weisbecker: Auf der Suche nach Captain Zero
Tim Winton: Atem